Donnerstag, 15. Juni 2017

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, tot

Bei vielen Unfällen ist das Letzte, was der Fahre sieht, das Handydisplay. Bild: Der Hausen
Die letzten Tage waren mal wieder alle Montag. Zum Wochenanfang blieb ich mit dem Auflieger ganz erfrischend an einem Betonklotz hängen, der in einen Busch eingewachsen war. An dieser Stelle noch einmal einen ganz herzlichen Gruß an die Düsseldorfer Firma, die sich einen Dreck darum schert, ob man sich auf ihrem Warteparkplatz den Lkw ruiniert. Dann hatte ich ein weiteres Mal ein Schlüsselerlebnis mit einem Kollegen, der plötzlich rechts neben mir auf dem Seitenstreifen stand und mich total verdattert und weiß um die Nase anschaute. Wäre der Kollege nicht nach rechts ausgewichen, wäre er wohl am Heck meines Aufliegers durch einen Auffahrunfall gestorben.


Gut getarnt wartet der gemeine Betonklotz im Gebüsch auf seine Opfer... Bild: Der Hausen
Dabei hatte einige Sekunden zuvor im Rückspiegel noch alles gut ausgesehen – bis ich aufgrund eines in Ascheberg abfahrenden Pkw stark bremsen musste. Aus reiner Gewohnheit achte ich darauf, wie groß der Abstand zwischen mir und den mir nachfolgenden Fahrzeugen ist. In diesem Fall war der Abstand des Kollegen völlig okay. Was ich aber auch gesehen habe: dass der Kollege peinlich berührt das Handy verschwinden lies, das er noch in der Hand hielt als er auf Höhe meines Seitenfensters zum Stehen kam. Ich will das an dieser Stelle weder ver- noch beurteilen, das steht mir auch nicht zu. Statt dessen möchte ich mal ein wenig rechnen.

...um dann blitzschnell aus dem Hinterhalt zuzuschlagen. Bild: Der Hausen
Der vorgeschriebene Mindestastand für uns Fuhrleute beträgt 50 Meter. Legen wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 85km/h zugrunde, dann fahren wir mit unseren schweren Lastzügen 85.000 Meter in einer Stunde. Eine Stunde besteht aus 60 Minuten, diese aus 60 Sekunden. Macht 3.600 Sekunden pro Stunde. Teilen wir nun 85.000 Meter durch 3.600 Sekunden erhalten wir eine Wegstrecke von aufgerundet 23,90 Metern, die wir in einer einzigen Sekunde zurücklegen. In zwei Sekunden macht das 47,8 Meter, in drei Sekunden 71,7 Meter und in vier Sekunden satte 95,6 Meter.


Und nun lade ich Euch zu einem Experiment ein. Bittet Eure Partner (-in), Freund (-in) oder Kollegen doch einmal, die Zeit zu stoppen, die ihr braucht, um nach Eurem Smartphone zu greifen, eine Messenger-App zu öffnen und einen kurzen Überblick über die Posteingänge zu verschaffen. Lest noch keine Nachricht. Also ich brauche fünf Sekunden, bis mein Handy die Nachrichteneingänge anzeigt und da habe ich die neuesten Nachrichten nicht mal gelesen. Alles weitere überlasse ich dann Eurer Fantasie...