Freitag, 16. Juni 2017

Dashcam – ja oder nein?

Heute angekommen, meine neue Dashcam Bild: Der Hausen
Um es vorweg zu nehmen: ich habe mir jetzt so ein Ding, eine Dashcam, zugelegt und werde zukünftig die teilweise unglaublichen Ereignisse, die sich vor meiner Windschutzscheibe abspielen, archivieren. Und schon höre ich Spatzen und andere lustige Vögel wie wild das Wort 'Datenschutz' von den Dächern pfeifen. Macht eine Dashcam also keinen Sinn oder verstößt sie sogar gegen geltendes Recht? Ich denke nein.

Ein erstaunlich kleines Gerät, entsprechend ist das kleine Mini-Display auf der Rückseite kaum zum Anschauen der Aufnahmen geeignet aber das muss ja noch nichts über das Ergebnis sagen. Bild: Der Hausen

Streitpunkte...

1. Argument: Datenschutz: Menschen und Kennzeichen werden ungefragt aufgenommen und gespeichert. - das stimmt so nicht, denn Aufzeichnungen ohne nennenswertes Ereignis werden von dem Gerät automatisch gelöscht und überspielt. Einzig Menschen und Kennzeichen die sich bei einer Vollbremsung, einem Unfall- oder Gefahrenereignis unmittelbar im Fokus der Kamera befinden, werden automatisch gespeichert. Dabei handelt es sich dann im Allgemeinen um Beteiligte. Kennzeichen, Name und Aufenthaltsort des Unfallbeteiligten sind damit ohnehin bekannt und es gibt damit keine weiteren Daten, die zu schützen wären.

2. Argument: Nicht anerkanntes Beweismittel bei Gericht – auch das ist so nicht ganz richtig. Ein Gericht lies eine Dashcam-Aufnahme eines unbeteiligten Zeugen zu um einen Rotlichtverstoß zu ahnden ( (Az. 7 OWi 28 Js 7406/15) ). Das Oberlandesgericht Stuttgart bestätigte diese Entscheidung in der darauf folgenden Beschwerde und ließ die Dashcam-Aufnahme ebenfalls als Beweis­mittel zu (Az. 4 Ss 543/15). Auch der eventuelle Verstoß gegen eine Datenschutzrichtlinie verbietet nicht die gerichtliche Verwertung zur Ahndung anderer Verstöße. Anders formuliert: Auch ein Bankräuber kann einen anderen Täter durch seine Zeugenaussage belasten obwohl der selbst straffällig wurde.

3. Argument: Bedenken gegen eine Veröffentlichung: Jeder hat ein Recht am eigenen Bild. Ungefragt darf niemand gegen seinen Willen bei Facebook, Youtube und Co veröffentlicht werden - und das ist auch gut so.

So, das wären die juristischen Aspekte. Wenn man das für sich erst einmal geklärt hat, sucht man das passende Gerät. Wie bei Allem ist auch hier das Angebot von größter Unübersichtlichkeit und einer verstörenden Vielzahl von Modellen gekennzeichnet. Da ich so ein Ding jetzt erst einmal ausprobieren möchte habe ich mich für ein günstiges Modell in der Preisklasse unter 100 Euro entschieden. Installation und Bedienung sind erstaunlich einfach. Jetzt muss ich nur noch auf die nächsten Verkehrsrowdies warten – und die kommen bestimmt...!