Donnerstag, 25. Mai 2017

Vollbremsung


Schwergewicht in Ketten gelegt (Bild: Der Hausen)
Es gibt ganz schreckliche Sätze, die möchte man gar nicht hören, wenn man auf der Autobahn im Stau steht. Einer dieser Sätze ist etwa, dass man sich beim Bilden der Rettungsgasse Zeit lassen kann, weil das Eintreffen des Notarztes nicht mehr eilt. Keine Ahnung wie es anderen Fuhrleuten geht aber ich gehe dann in mich, denn im Laufe der Jahre sieht man immer wieder mal Dinge, die normale Autofahrer nicht sehen. Und ab da wird es schwierig, denn um Pkw-Fahrern die Folgen gravierender Fahrfehler vor Augen zu führen, müsste man ihnen eigentlich ständig Bilder der Folgen ihres Tuns zeigen. Andererseits verbietet der Respekt vor den Unfallopfern das natürlich.


Abschreckung hilft offensichtlich nicht


Das Bilder andererseits nicht abschrecken, zeigen die Horrorbilder auf den Zigarettenpackungen. Als Nichtraucher bin ich wahrscheinlich das einzige Weichei, das diese Bilder extrem geschmacklos findet, während Rauchern das alles vollkommen Latte zu sein scheint. Ich befürchte, bei Rasern und anderen rücksichtslosen Zeitgenossen werden blutige Unfallbilder ähnlich wenig Wirkung hinterlassen, weil der Mensch immer dazu neigt, zu denken, dass passiere immer nur den anderen aber nie einem selbst.

Selbst auf engsten Raum kann der wendige VALLA Gewichte von bis zu 33 Tonnen bewegen, wo andere längst aufgeben müssen. Mit den herausnehmbaren 8 Tonnen Kontergewichten bringt der rote Bomber ein entsprechendes Eigengewicht mit. (Bild: Der Hausen)

So einen gefährlichen Zwischenfall erlebte ich in dieser Woche. Wie so oft war ich mit unserem VALLA Mobilkran unterwegs zu einer Maschinendemontage. Wie man auf dem Bild oben sieht, wirkt das Gerät auf den ersten Blick nicht unbedingt spektakulär. Tatsächlich handelt es sich bei dem Gerät aber um eine Wahnsinns-Maschine, denn dieser Kran kann nicht nur bis zu 33 Tonnen heben, der VALLA kann im Gegensatz zu einem Autokran mit dem Gewicht am Haken auch fahren. Mich beeindruckt das Gerät jedenfalls immer noch obwohl ich regelmäßig darauf sitze.

In jedem Fall kann man sich vorstellen, das diese Maschine ein entsprechendes Eigengewicht mitbringt. Die sorgfältige und fehlerfreie Ladungssicherung ist deswegen ein elementarer Teil meiner Arbeit. Der Kran wird mit jeweils zwei schweren Zurrketten nach vorne und hinten diagonal gesichert. Der Aufbau zusätzlicher Holzverpallungen zur Herstellung eines Formschluss' macht zwar zusätzliche Arbeit, nicht zuletzt auch zugunsten der eigenen Sicherheit mache ich mir die aber gerne. In mehreren ausführlichen Kontrollen haben Polizei und BAG die Art unserer Ladungssicherung mit der Note „sehr gut“ und als überaus ausreichend bewertet. Ich gebe zu, da bin ich schon ein wenig stolz drauf.

Diese Zurrösen halten Belastungen von bis zu 10 KN (etwa 10 Tonnen) stand (Bild: Der Hausen)

Rücksichtslos am Stau der Abbiegespur vorgedrängelt


Dass man gefährliche Zwischenfälle (und damit Unfälle) trotz allem nie ganz ausschließen kann, zeigt das Bild oben. Die abgebildete Zurröse ist in der letzten Woche bei einer Vollbremsung gerissen, als gleich drei Pkw-Fahrer unmittelbar hintereinander in die Lücke einfuhren, die ich als Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Kollegen eingehalten hatte. Damit wurde mein Sicherheitsabstand von etwa 60 Metern in Sekunden auf 10 Meter zum vorausfahrenden Fahrzeug verkürzt. Alle Drei bremsten nun stark, man wollte sich schließlich rechts in eine Lücke des Staus einordnen, an dem man zuvor so elegant vorbei gefahren war. Vollkommen wahnsinnig diese Autofahrer, und das schlimmste: sie wissen es nicht einmal. In den Medien lautet die Überschrift bei solchen Unfällen immer: Lkw fährt auf Stauende, Aber wer trägt tatsächlich die Schuld?

Abgesehen davon, dass dieses Vorveidrängeln eine sehr unhöfliche Art des Autofahrens ist, ist es unglaublich gefährlich. Denn für mich bedeutete diese unbedachte Handlung der Pkw-Fahrer, dass ich mich mit beiden Füßen und aller Kraft auf die Bremse stellen musste. Unsere Fahrzeuge haben bis zu sieben Achsen und regelmäßig ein Gesamtgewicht weit jenseits von 40 Tonnen. Den nun auftretenden Kräften war eine der Zurrösen nicht gewachsen obwohl sie eigentlich einer Kraft von 100 KN standhalten soll. Allerdings wurde hier wohl durch die harte Bremsung schlagartig eine Energie frei, die einem sofortigen Stehenbleiben durch einen Aufprall schon sehr nahe kommt. Werden derartige Kräfte entfesselt, sind sie kaum zu kontrollieren.

Wie soll man die Botschaft weiter geben?



Abgesehen von der gerissenen Öse ist glücklicherweise nichts  passiert, auf den Kosten bleibt mein Arbeitgeber wohl sitzen. Nachdem ich die Ladung kontrolliert und die Ketten umgelegt hatte, konnte ich die Fahrt mit weichen Knien weiter fortsetzen. Schlimm daran ist, dass die drei Autofahrer sich ihres Fehlers nicht bewusst sind und das ich diese Autofahrer auch nicht erreichen kann, um sie auf ihren riskanten Fehler aufmerksam zu machen.

Versteht mich nicht falsch, es ist nicht böse gemeint, es ist nur der absolute Alptraum jedes Fahrers, einen Pkw unter sich zu zerquetschen. Keine Ahnung wie es meinen Kollegen geht, ich habe davor jedenfalls verdammt Respekt. Denn abgesehen von den eigentlichen Unfallopfern muss auch der Lkw-Fahrer dann mit dem Bewusstsein weiter leben, den Tod von Menschen auf dem Gewissen zu haben. Ich denke das ist nicht weniger schlimm, besonders wenn man stets sorgfältig gearbeitet hat. Jetzt brauchen wir nur noch jemanden, der das den Pkw-Fahrern auch erklärt...

Welche Folgen es haben kann, wenn ein Pkw einen Lkw ausbremst, kann man in Video unten sehen
 

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